was ist Rollenspiel!! | Gegenstände | Spieler Tip`s | Contermine |



1. Der Charakter:

Zu allererst wählst du eine Person aus, welche du verkörpern willst. Du versuchst nun diese Figur so genau und plastisch wie möglich darzustellen, mit allen Feinheiten die ein Wesen ausmacht. Ihre Gefühle, ihre Macken, ihre Weltanschauung und moralischen Werte. Diese Person hat ebenfalls ein äußeres Erscheinungsbild, welches du nach belieben wählen kannst, es muß nicht einmal menschlich sein, sondern kann auch ein phantastisches Wesen sein, eine Eidechse, eine Fee, ein Roboter. Nur deine Phantasie und die gewählte Spielwelt setzt dieser Wahl eine Grenze. Dabei ist zu beachten, daß bis jetzt diese Gestalt nur in deiner Phantasie entstanden ist. Ihr Charakter und ihre Gestalt sind weder in Form einer Beschreibung oder eine Bildes vorhanden. Nun liegt es an dir das Aussehen dieser Person als Text oder Bild zu formen. Du wirst, wenn das Spiel begonnen hat mit anderen zusammentreffen die sich auf ähnliche Weise einen Charakter erschaffen haben. Doch dazu mußt du ihnen sagen können wie du aussiehst. Deine geistigen Werte und Gefühle dagegen werden sie nicht auf den ersten Blick sehen können.

2. Die Gruppe:


Da die bloße Existenz dieses Charakters noch nicht zum Rollenspiel reicht, und du ja auch nicht alleine und isoliert lebst, brauchst du mehrere Personen zum Spiel. Alle haben einen Charakter in ihrer Phantasie erschaffen den sie darstellen wollen. Das gesamte Spiel wird alleine durch die Gedanken erlebt. Deine Phantasie erschafft die Dinge in deinem Geist die dein Charakter sieht und spürt. Wenn dein Charakter im ewigen Eis vor einer Gletscherspalte steht liegt es an deiner Phantasie dir den dunklen Riß im gleißenden Weiß vorzustellen, eine Wunde im Leib der Erde. Deine Phantasie erzeugt das Heulen des Windes der durch den Spalt rast, an den Haaren und der Kleidung zerrt und wie tausend kleine Mäuler in dein ungeschütztes Gesicht beißt. Deine Phantasie erzeugt die seltsame Angst und Faszination die der dunkle Spalt ausübt. Wenn es dir gelingt ein Bild zu formen, das Bild einer Person, die dort steht und du einen leichten Schauder spürst ... dann ist es dir gelungen mit deiner Phantasie etwas zu erzeugen.

3. Der Spielleiter:


Nun kommt der Spielleiter hinzu. Du stellst dir die Welt um deinen Charakter herum vor. Ebenso deine Mitspieler. Doch jemand muß entscheiden wie die Landschaft aussieht, wie die Häuser gebaut sind; wie die gesamte Welt in der sich die Charaktere befinden aussieht. Dazu gibt es einen Spielleiter. Alle anderen lassen sich auf seine Phantasie ein, und ihm obliegt es den Spielern zu beschreiben wie ihre Umwelt aufgebaut ist, was sie Wahrnehmen und er verkörpert all die anderen Wesen welche sich noch in dieser Welt befinden. Die Verkäufer in den Geschäften, die Passanten, die Tiere und all die anderen Wesen. Er haucht ihnen Leben ein, bestimmt ihre Handlungen. Der Spieler kontrolliert nur seinen Charakter, und kann nur durch diesen Einfluß auf die Spielwelt nehmen. Und zwar auf jede erdenkliche Weise. Durch Sprechen, Berühren, Schlagen ... einfach all das, wozu der Charakter in der Lage ist um mit der Umwelt zu interagieren.Und der Spielleiter übernimmt diese Umwelt. Er bestimmt und beschreibt die Reaktionen und Aktionen der Umgebung.Natürlich stellt sich die Frage wie man sich die Welt von einer Person vorschreiben lassen kann. Nun, es ist nicht einfach eine gut funktionierende Rollenspielrunde zu finden, und wenn die Vorstellungen der Spieler nicht mit denen des Spielleiters übereinstimmen, dann kommt es zwangsläufig zum Streit. Es braucht Menschen, die sehr gut mit ihrer Phantasie umgehen können, und sich nicht vor ihr verschließen. Mir stellt sich da auch die Frage: kann man Rollenspielen lernen ? Oder braucht es dazu einen Menschen der es schon längst versteht seine Phantasie zu nutzen ?

4. Die Regeln:


Wer schon einmal etwas von Rollenspielen gehört oder gesehen hat weiß, das sehr häufig gewürfelt wird. Doch in meinem Text taucht bisher in keinem einzigen Satz auch nur ein Hinweis darauf auf. Und das zurecht. Zum Rollenspielen ist kein einziger Würfel nötig. Um Rollenspiel so zu erleben wie oben beschreiben reicht die Phantasie der Spieler und des Spielleiters aus. Die Würfel werden alleine zur Entscheidungshilfe benötigt.Die Funktion der Würfel wird meist in Situationen benutzt, wo eine Handlung erfolgreich oder nicht erfolgreich sein kann. Nehmen wir als Beispiel das öffnen einer verschlossenen Tür mit einem Dietrich. Entweder geht das Schloß auf oder es geht nicht auf. Diese beiden Möglichkeiten sind gegeben. Durch den Würfelwurf wird entschieden ob die Tür geöffnet werden kann oder nicht. Da es aber offensichtlich auch vom Charakter abhängt, wie leicht oder schwer es ist die Tür zu öffnen (ein Dieb wird sicher weniger Probleme haben als ein Metzger) wird die Chance auf einen Erfolg durch eine Zahl verändert, um die Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg zu erhöhen oder zu senken.
Sagen wir, bei einer 1-3 öffnet sich die Tür, bei einer 4-6 bleibt sie zu. Für den Metzger ist es schwerer und für den Dieb leichter. Also muß der Metzger immer einen Punkt zu seinem Würfelergebnis dazuzählen, d.h. wirft er eine 3 ist er schon bei 4, die Tür öffnet sich nicht. Der Dieb dagegen darf immer einen Punkt abziehen, d.h. wirft er eine 4 ist er noch bei 3, die Tür öffnet sich. Setzt man dieses System immer komplexer fort läßt sich so ein riesiges System an Wahrscheinlichkeiten aufstellen, sogar mit mehr Ergebnissen als Erfolg oder Mißerfolg. Und für viele ist es eine Erfüllung diese Wahrscheinlichkeiten zu optimieren, überall die meisten Punkte herauszuschlagen um die Chancen auf Erfolg zu verbessern. Doch dabei vergessen viele den Charakter den sie erschaffen haben, mit all seinen Details, Stärken und Schwächen. Viele haben nicht einmal einen plastischen Charakter erschaffen. Sie haben nur die Zahlenwerte, wie die Erleichterung für das Knacken der Tür aufgeschrieben und wetteifern um den besten Optimierer. Dabei sind diese Zahlen leer und ausdruckslos. Nicht mehr als eine Statistik über den Stromverbrauch eines Haushaltes oder die Meßdaten eines Kotflügels im Windkanal. Es liegt an der Phantasie des Spielers dem Charakter Leben einzuhauchen, nicht an den Zahlen. Doch ist es vielen einfacher alles den Zahlen zu überlassen, als auch nur auf den Gedanken zu kommen ihre Phantasie zu nutzen. Ihnen mag das Spiel zwar Freunde bereiten, das will ich auch nicht abstreiten. Doch sie wissen nicht was ihnen entgeht.